Die Krise der Frauen

Durch Corona hat sich vieles verändert, auch der Blick auf die Altersvorsorge. Aktuelle Umfragen haben herausgefunden, dass hier insbesondere Frauen zurückstecken. Eine beunruhigende Entwicklung, die zeigt, wie wichtig Beratung bei diesem Thema ist.

Unser Alltag hat sich durch das Corona–Virus in kurzer Zeit gravierend verändert. Viele Arbeitnehmer mussten ins Homeoffice wechseln; bei den meisten Eltern kam noch Homeschooling hinzu. Wie aktuelle Studien zeigen, hat dies insbesondere auf Frauen gravierende Auswirkungen: Viele haben aufgehört, zu arbeiten. Da sie häufig weniger verdienen, ist es naheliegend, dass sie sich ausschließlich um Kinder und Haushalt kümmern. Oder sie haben ihre Arbeitszeit reduziert – laut einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) haben 20 % der Frauen coronabedingt ihre Arbeitszeit zugunsten der Kinderbetreuung reduziert, Väter hingegen deutlich weniger.

Noch härter trifft es einer bundesweiten Forsa-Umfrage zufolge alleinerziehende Frauen. Sie müssen sich am häufigsten beurlauben oder freistellen lassen, um ihre Kinder zu betreuen. Sind sie selbstständig, bedeutet es sowieso das berufliche Aus. Eine Entwicklung, die übrigens Frauen in allen Ländern trifft: Die UN erwarten infolge der Corona-Pandemie weltweit langfristige Einkommensverluste für Frauen und einen Einbruch der Frauenerwerbsquote. Die Krise scheint vor allem eine Krise der Frauen zu sein.

31 %

der Mütter sind in einem Vollzeitjob tätig. Viele Mütter stellen ihren Job nach der Geburt immer noch hinten an.*

49 %

der Frauen und 11 % der Männer geben familiäre Verpflichtungen wie die Erziehung ihrer Kinder als Grund für eine Teilzeitbeschäftigung an.**

Geringere Ausgaben fürs Alter

Damit einher geht, dass sich laut einer aktuellen Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag von Fidelity International das Ausgabe- und Vorsorgeverhalten von knapp der Hälfte der Bevölkerung in Deutschland durch COVID-19 verändert hat – mit deutlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Frauen haben ihre Ausgaben stärker eingeschränkt als Männer. Und das gilt nicht nur für den Konsum von Artikeln des täglichen Bedarfs. Die Umfrage brachte zum Vorschein, dass Frauen auch deutlich häufiger die Einzahlungen in ihre Altersvorsorge kürzen oder aussetzen wollen als Männer. Bei den weiblichen Sparern sind es 14 %, bei den männlichen nur 4 %.

Nicht auf den Staat verlassen

Die Kombination aus Rückzug aus der Erwerbsarbeit oder verkürzter Arbeitszeit und verringerten Ausgaben für die Altersvorsorge ist doppelt gefährlich. Die Frauen vermindern dadurch ihre gesetzlichen Rentenbeiträge, die ohnehin oft zu gering sind, um im Alter über die Runden zu kommen. Die fehlende oder zu geringe private Vorsorge verschärft die Situation zusätzlich. Hier tut Information not: Frauen dürfen sich beim Thema Altersvorsorge nicht allein auf den Staat verlassen. Sie brauchen umfassende Beratung, wie sie sich absichern können.

46 %

weniger Rente als Männer (im Durchschnitt) beziehen Frauen in Deutschland. Das ist die OECD-weit größte Geschlechter-Rentenlücke.***

Eine Möglichkeit, ohne finanziellen Mehraufwand vorzusorgen, bietet der Wegfall des Solidaritätszuschlags.

*Quelle: Destatis, Mikrozensus, 2016
**Quelle: Destatis, Mikrozensus, 2017

***Quelle: OECD-Studie Renten auf einen Blick, November 2019