Zwischen Rente, bAV und Altersvorsorgedepot: Wie viel hängt vom Zusammenspiel ab?

Die Diskussion um die Zukunft der Altersvorsorge gewinnt weiter an Dynamik. Politische Aussagen unterstreichen, dass die gesetzliche Rentenversicherung allein nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Gleichzeitig entstehen neue Vorsorgelösungen wie das Altersvorsorgedepot (AVD), die zusätzliche Möglichkeiten eröffnen. Die aktuellen Reformvorschläge zielen darauf ab, sowohl in der gesetzlichen als auch in der betrieblichen Altersvorsorge stärker kapitalgedeckte Elemente zu verankern.

Wir sprechen mit Andreas Behrens (Senior Manager Sales Operations and Solutions bei Canada Life) über die Rolle der drei Säulen, die Bedeutung von Diversifikation – und warum Beratung mehr denn je zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird.

Andreas Behrens, Senior Manager Sales Operations and Solutions

Herr Behrens, wie bewerten Sie die aktuelle politische Diskussion zur Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung?
Die Debatte ist absolut richtig – und ehrlich gesagt längst überfällig. Die gesetzliche Rente entwickelt sich zunehmend in Richtung Grundabsicherung. Das bedeutet: Wer seinen Lebensstandard im Alter sichern möchte, muss breiter denken.

Genau deshalb ist der Blick auf das Drei-Säulen-Modell entscheidend: die gesetzliche Rente/Rürup Rente, die betriebliche Altersvorsorge (bAV) und die private Vorsorge. Allerdings wird ein Punkt dabei häufig unterschätzt: Ein Säulenmodell allein macht noch keine tragfähige Strategie – und ein einzelnes Produkt erst recht nicht. Was immer wichtiger wird, ist Diversifikation. Und zwar nicht nur zwischen den Säulen, sondern auch innerhalb der einzelnen Vorsorgewege.

Welche Rolle nimmt das Altersvorsorgedepot (AVD) in diesem Kontext ein?
Kapitalmarktorientierte Lösungen wie ein Altersvorsorgedepot sind ein wichtiger Baustein, weil sie private Vorsorge deutlich zugänglicher machen.

Gerade jüngere Menschen erhalten damit einen einfachen Einstieg in den Kapitalmarkt – flexibel, transparent und eigenständig. Hinzu kommen attraktive Förder- und Steuereffekte, die das AVD für viele Sparer zusätzlich interessant machen. Diese Entwicklung ist sehr positiv.

Wichtig ist die richtige Einordnung des AVD:
Es ist ein Instrument der privaten Vorsorge und trägt damit als einer von vielen Bausteinen zur Gesamtlösung bei. Es ergänzt versicherungsförmige Lösungen und Absicherungselemente – ersetzt sie aber nicht. Es steht damit exemplarisch für die zusätzlich kapitalgedeckten Reformansätze, die aktuell intensiv diskutiert werden.

Reicht das AVD aus, um die Altersvorsorge langfristig abzusichern?
Das Altersvorsorgedepot allein wird die Rentenlücke im Alter nicht schließen. Dafür sind schon allein die Fördergrenzen für die meisten zu gering. Hinzu kommt: Wer nur auf eine Investmentlösung setzt, unterschätzt leicht Themen wie Langlebigkeit, Garantien und biometrische Risiken. Altersvorsorge hat ein klares Ziel: einen finanziell gesicherten Ruhestand.

Dafür reicht es nicht aus, Vermögen aufzubauen. Entscheidend ist, die Versorgungslücke zu schließen und sicherzustellen, dass das Vermögen langfristig trägt.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?
Ein zentraler Punkt ist die Entnahmephase. Viele Menschen fokussieren sich stark auf den Vermögensaufbau. Dabei ist die entscheidende Frage: Wie lange muss dieses Vermögen reichen? Damit rückt das Thema Langlebigkeit stärker in den Fokus.

Ein Entnahmeplan kann Vermögen strukturieren, bietet aber keine Gewähr, dass es bis zum Lebensende ausreicht. Genau hier werden die Grenzen rein kapitalmarktorientierter Lösungen sichtbar.

Welche Rolle spielt die betriebliche Altersvorsorge in diesem Zusammenhang?
Die betriebliche Altersvorsorge bringt Struktur, Planbarkeit und langfristige Sicherheit in die Gesamtstrategie.
Gleichzeitig bietet sie – je nach Ausgestaltung – auch Zugang zu kapitalmarktorientierten Lösungen. Sie folgt damit einer anderen Logik als ein reines Investmentdepot – und genau darin liegt ihre Stärke.
Während das Altersvorsorgedepot Flexibilität und Eigeninitiative unterstützt, sorgt die bAV für einen stabilen Einkommensbaustein im Ruhestand.

Ein wesentlicher Unterschied zeigt sich dabei auch in der Verantwortung: Die betriebliche Vorsorge wird strukturiert im Unternehmen gestaltet, während das Altersvorsorgedepot Teil der privaten Eigeninitiative bleibt. Damit wandelt sich die Rolle des Arbeitgebers vom reinen Gehaltszahler zum Mitgestalter finanzieller Sicherheit über alle Lebensphasen hinweg.

Ergänzend dazu können auch Einkommensschutzlösungen integriert werden, etwa zur Absicherung der Arbeitskraft sowie unterschiedliche Durchführungswege wie Unterstützungskasse oder Pensionszusage genutzt werden. So entsteht eine Struktur, die sowohl das Alterseinkommen als auch die existenzielle Absicherung berücksichtigt, ohne den Blick von der Kernaufgabe der bAV als Rentenbaustein abzulenken.

Wie lassen sich diese beiden Ansätze sinnvoll verbinden?
Aus Vertriebssicht wird zunehmend deutlich: Kunden denken nicht mehr in Produkten, sondern in Lösungen. Gleichzeitig sehen wir aktuell eine spannende Marktbewegung: Die bisherige Hierarchie in der Altersvorsorge beginnt sich zu verschieben. Erst recht vor dem Hintergrund der geplanten „Frühstartrente“.
Lange wurde stark über einzelne Vorteile argumentiert – Steuern, Flexibilität oder Rendite. Am Ende entscheidet aber eine andere Frage: Wo bekomme ich für mein eingesetztes Kapital den größten Nutzen für meinen Ruhestand?

Genau deshalb rücken unterschiedliche Vorsorgelösungen neu ins Verhältnis zueinander. Ob ETF-Sparplan, betriebliche Altersvorsorge, Fondsrenten, staatlich geförderte Modelle oder auch Sachwerte – die Sinnhaftigkeit ergibt sich nicht isoliert, sondern aus der individuellen Situation. Für unterschiedliche Menschen entstehen dadurch unterschiedliche Prioritäten und Rangfolgen.

Vor diesem Hintergrund wird es spannend zu beobachten sein, wie sich neue und weiterentwickelte Fördermodelle – etwa im Umfeld des Altersvorsorgedepots – künftig in diese Systematik einordnen. Der Reformwille zeigt es deutlich: kapitalgedeckte Elemente – auch in der bAV – werden immer wichtiger!

Die betriebliche Altersvorsorge schafft Stabilität und Verlässlichkeit und eröffnet zugleich Zugang zum Kapitalmarkt. Sie ermöglicht sowohl eine lebenslange Rente als auch flexible Auszahlungsoptionen – bei flexibel gestaltbaren Garantien.
Das Altersvorsorgedepot bietet zusätzliche Flexibilität und individuelle Chancen und folgt aber einer anderen Logik.

Welche Bedeutung haben Kooperationen in der Beratung?
Kooperationen sind ein zentraler Erfolgsfaktor moderner Vorsorgestrategien. Entscheidend ist nicht, ob alle Bausteine aus einer Hand kommen – sondern ob das angebotene Gesamtkonzept funktioniert. Gerade im Vertrieb zeigt sich: Wer unterschiedliche Kompetenzen professionell verzahnt, kann Kunden ganzheitlicher beraten und Mehrwert schaffen.
Kooperationen sind damit kein Nachteil, sondern ein klares Qualitätsmerkmal.

Wie entwickelt sich die Rolle der Vermittler vor diesem Hintergrund?
Die Rolle verändert sich spürbar – auch aus Sicht von Markt und Vertrieb. Der Fokus verschiebt sich weg vom reinen Produktangebot hin zur strukturierten Vorsorgelösung.

Gerade jüngere Zielgruppen erwarten einfache, verständliche Konzepte. Die Aufgabe besteht darin, Komplexität zu reduzieren und daraus eine klar nachvollziehbare Strategie zu entwickeln.


Fazit

Eine lebensstandardsichernde Altersvorsorge entsteht durch kluge Verzahnung von gesetzlicher, privater und betrieblicher Vorsorge.

Beratung hat dabei die Aufgabe, aus den vorhandenen Bausteinen eine sinnvolle Struktur zu formen und neue Lösungen jeweils dann einzubinden, wenn sie verfügbar und für die Kundin oder den Kunden wirklich passend sind.

Denn je komplexer die Möglichkeiten werden, desto wichtiger wird jemand, der Zusammenhänge verständlich macht, Lösungen sinnvoll kombiniert und den Blick nicht auf Produkte, sondern auf den gesamten Lebensverlauf richtet.

Genau in diese Richtung entwickelt sich auch Ihre Rolle als Vermittler. Vom Produktanbieter hin zum „Life-Planner“ organisieren Sie nicht nur Vorsorge, sondern begleiten Ihre Kunden strukturiert bei finanziellen Entscheidungen über alle Lebensphasen hinweg.


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