Wechselbad der Gefühle: Ertrag und Risiko

Gastbeitrag von Dr. Klaus Mühlbauer

In den vergangenen zwölf Monaten haben wir Aktionäre und Inhaber von Fondspolicen ein echtes Wechselbad der Gefühle durchlebt. Zuerst stiegen Anfang 2020 einige Aktienmärkte flott zu einem „All Time High“. Dann ereignete sich im März der schnellste Crash der Weltgeschichte. Anschließend folgte eine für viele Marktteilnehmer ziemlich unerwartete und rasche Erholung. Von „himmelhochjauchzend“ bis „zu Tode betrübt“ war also emotional alles dabei. Was die Achterbahnfahrt der Investorengefühle allerdings für die Vermögensanlage bedeutet, dazu hat sich Dr. Klaus Mühlbauer, Referent für Kapitalmarktseminare, gezielt Gedanken gemacht.


Dr. Klaus Mühlbauer ist Kapitalmarktexperte mit langjähriger Börsen- und Vertriebserfahrung. Seit 2013 ist er als selbstständiger Unternehmensberater, Buchautor und Referent für Kapitalmarktseminare tätig. In unserem Online-Magazin beleuchtet er den Finanzmarkt und teilt sein Investment-Know-how.

 

 

 

 

Langfristige Erträge: der Grund fürs Investieren

Betrachtet man die Struktur von Fonds-Factsheets, dann fällt schnell auf, dass die Darstellung der Erträge von Investmentfonds viel Platz einnimmt. Und das ist auch gut so! Denn schließlich wollen wir mit Investitionen in Fonds ja unser Vermögen erhöhen, also Erträge erwirtschaften. Diese triviale Weisheit gilt es fest im Blick zu haben: Wir müssen uns immer – also bei steigenden und auch bei fallenden Märkten – daran erinnern, WARUM wir investieren. Denn nur dann werden wir die Chance haben, auskömmliche Erträge zu erzielen.

Wertzuwächse von Fonds (englisch Fund Performance) können als absolute Zahl dargestellt werden. Also beispielsweise als jährlicher Durchschnitt oder als kumulierte Größe. In einem nächsten Schritt können Fondserträge zudem auch relativ analysiert werden. Dabei werden Fondserträge mit der Entwicklung eines jeweiligen Vergleichsindex oder mit deren Vergleichsgruppe verglichen.

Entscheidend für langfristige Erträge bleibt die Disziplin beim Investieren. Das hat man vor allem in der jüngeren Vergangenheit deutlich sehen können. Denn einige Anleger haben Mitte März 2020 ihre Fondsanteile aus Angst vor noch weiter fallenden Märkten verkauft. Und sind nicht wieder in den Markt eingestiegen. Diese Anleger ärgern sich darüber sicher heute noch.

Rendite, Ertrag, Wertzuwachs – nennen Sie es, wie Sie möchten: Entscheidend bleibt der lohnende, langfristige Charakter!

Langfristige Entwicklung Deutscher Aktienindex DAX: 20 Jahre (2001–2020)
Quelle: www.boerse.de

Der Deutsche Aktienindex DAX hat sich die vergangenen 20 Jahre fleißig nach oben „geschwankt“. Dabei hat er Aktionären und Inhabern von Fondspolicen reichlich Ertrags-Chancen geboten. Vergegenwärtigen Sie sich immer, wie wichtig Erträge sind:

„Mit Erträgen beim Vermögen ist es wie mit Salz beim Essen. Man merkt es erst, wenn’s fehlt!“

Kurzfristige Risiken: gilt es zu akzeptieren

In der Welt der Investmentfonds wird Risiko zumeist gleichgesetzt mit Schwankungen. Das ist sinnvoll, denn ein Totalverlust erscheint mit breit gestreuten und liquiden Publikumsfonds sehr unwahrscheinlich. Auf Fonds-Factsheets finden wir als Risikomaß in der Regel die Kennzahl „Standardabweichung“. Diese besagt, wie sehr ein Fonds um seinen eigenen Mittelwert schwankt. Börsianer sprechen statt von der Standardabweichung oft von der „Vola“. Der Begriff Volatilität ist abgeleitet vom italienischen Wort „volare“, was übersetzt „fliegen“ bedeutet. Jeder, der während eines Fluges schon einmal Turbulenzen erlebt hat, kann diese Übersetzung sicher gut verstehen.

Ertrag und Risiko sind die beiden Seiten derselben Medaille. Dabei ist die eine Seite untrennbar mit der anderen verbunden. Im Englischen pointiert man diese Tatsache mit der Aussage „There is no free Lunch!“ An den Märkten gibt es folglich nichts geschenkt. Jeden Euro an Ertrag können wir Investoren nur durch die Akzeptanz des dazugehörigen Risikos erwirtschaften.

Was Schwankung, bis hin zum ausgemachten Börsencrash, bedeuten kann, sieht man bei der kurzfristigen Darstellung des DAX.

Kurzfristige Entwicklung Deutscher Aktienindex DAX: zwölf Monate (2020)
Quelle: www.boerse.de

Die gute Nachricht ist, dass Risiko – bei ausreichender Streuung, wie beispielweise mit Investmentfonds – als Funktion der Zeit gesehen werden kann. Das bedeutet, dass kurzfristige spekulative „Wetten“ höhere Risiken bergen als für Jahrzehnte getätigte Investitionen.

Kombinierte Betrachtung: Erträge und Risiken

Im Jahr 1990 wurde William „Bill“ Sharpe der Wirtschaftsnobelpreis1 verliehen. Mit der „Sharpe Ratio“ werden Ertrag und Risiko in Beziehung gesetzt:

Sharpe Ratio = (Wertentwicklung – risikoloser Zins) / Standardabweichung

Bill Sharpe ist der Überzeugung, dass jeder Investor einen risikolosen Zins „quasi geschenkt“ bekommt. Diesen zu erwirtschaften, stellt demnach keine Leistung von Fondsmanagern dar. Deshalb muss man ihn auch von deren Ergebnissen abziehen.

Mithilfe der Sharpe Ratio lassen sich Fonds unterschiedlicher Anlageklassen miteinander vergleichen: beispielsweise Aktienfonds mit Mischfonds oder Rentenfonds mit Aktienfonds. Es werden ja immer die Erträge einer Fondskategorie und auch deren Risiken mit in die Überlegungen einbezogen.

Für die Sharpe Ratio gilt:

  1. Positive Werte (> 0) sind gut.
  2. Je höher, desto besser.

Es ist eine durchaus akademische Übung, neben der Ertrags- und der Risikobetrachtung auch die Relation zwischen diesen beiden Seiten derselben Medaille zu besprechen. Diese kann uns Fonds-Investoren aber dabei helfen, beiden Seiten die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken. Denken Sie immer daran: „Wir sehen, was wir suchen.“ Geht es an den Märkten nach oben, dann fokussieren wir uns zumeist auf die tollen Erträge, durch die unser Vermögen ordentlich wächst. Fallen die Märkte nach unten, dann finden wir oft genug Gründe, warum wir diese Richtung von Schwankungen kaum ertragen können.

Sammeln Sie durch die Analyse nüchterner Kennzahlen Erfahrungen im Umgang mit Chancen und Risiken an den Märkten! Der Börsenanalyst Philip Fisher2 wurde nicht umsonst berühmt durch seine Aussage: „An der Börse machen Leute mit Erfahrung eine Menge Geld. Und Leute mit einer Menge Geld machen Erfahrungen!“

Nicht verpassen! Online-Seminare mit Kapitalmarktexperte Dr. Klaus Mühlbauer

 

Fondspolicen im aktuellen Marktumfeld:

Am 28.01.2021 und 18.02.2021 vermitteln Dr. Klaus Mühlbauer und Christoph Schröder von Canada Life praxistaugliches Investment-Know-how für den Vertrieb von Fondspolicen. Lernen Sie zudem, wie Sie Sales Stories als entscheidende Bausteine für Ihre „Fondspolicen-Brücke“ zum Kunden nutzen können. 

 

Die beiden Online-Seminare „Motor jeder fondsgebundenen Lebensversicherung: Investmentfonds“ und „Fondsgebundene Lebensversicherungen maßgeschneidert verkaufen mit Geschichten“ finden Sie auf unserer Weiterbildungsseite unter dem Bereich „Investment“.

 

1 Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ging 1990 zudem an Harry Markowitz und Merton Miller.
2 Philip A. Fisher (1958), Common Stocks and Uncommon Profits